Die Diktatur der Kasperlköpfe, Systeme der Angst und die Freiheit der Kunst

Gesellschaftskritisches Statement bezüglich lokaler, regionaler und globaler zwischenmenschlicher Gepflogenheiten

Es erfordert Kraft als erwachter Mensch sehend, wissend und fühlend durchs Leben zu gehen.
Österreich ist ein reiches Land, Österreich ist ein lebenswertes Land und in Österreich gibt es viele fleissige, anständige und liebenswerte Menschen.
Aber, und hier setzt meine Kritik, die ich seit über zwanzig Jahren an die Öffentlichkeit und an die Herzen meiner Mitmenschen tragen möchte, an.
Im österreichischen Regierungssystem, in Ämtern und bei Behörden haben sich undemokratische Gesinnungen, faschistoide und polizeistaatliche Tendenzen eingenistet. Diese Gesinnung artikuliert sich im unbarmherzigen und grausamen Verhalten gegenüber Menschen, vernichtet ständig menschliche Resourcen und Existenzen, tötet Leben.

“Es tut mir ja auch leid! Ich verstehe, wie schlecht es Ihnen geht, aber ich kann nicht anders handeln! Ich erfülle nur meine Pflicht und handle nach Gesetzen!”

Wieviele meiner Mitmenschen mußten diese und ähnliche Antworten bereits hören, wenn sie in ihrer Not und Verzweiflung auf die Hilfe von amtlichen Stellen angewiesen waren? Wie oft in der Vergangenheit bekamen wir diese und ähnliche Floskeln von Regierungsmitgliedern und Parteivertretern zu hören?
Seit den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurde Vieles, was für mich und meine Generation als selbstverständliche Grundwerte feststand, nach unten nivelliert. Öffentliches Gemeingut, Eigentum der BürgerInnen dieses Staates, wurde verscherbelt und die Infrastruktur in vielen Bereichen beschädigt bzw. zerstört. Gewinne, Provisionen und Schmiergelder wurden im Freundeskreis verteilt.

Diese Tatsachen sind mittlerweile vermutlich bis in die letzten Haushalte gedrungen, doch was geschieht?
Diejenigen Menschen, welche die Hauptverantwortung für solch perfide Machenschaften tragen, bewegen sich unter dem Schutzschirm der Unschuldsvermutung und agieren weiterhin in ihrer Funktion als Marionetten und Nutznießer eines, die Menschenrechte mit Füßen tretendem System.

Entwicklung zur empathischen Gesellschaft

Um etwaige Mißverständnisse im Vorhinein zu beseitigen, möchte ich darauf hinweisen, daß mein Denken und meine Handlungen von Empathie, Respekt und Aufmerksamkeit für meine Mitmenschen geprägt sind.
Mir geht es nicht darum, Menschen in der Öffentlichkeit zu diffamieren oder irgendjemandem Schaden zuzufügen, sondern Systeme von Angst und Unterdrückung aufzuzeigen, auf Wege hinzuweisen, die uns zu einer gerechteren, friedlicheren und der Empathie fähigen Gesellschaft führen können. Um es mit den Worten von Nelson Mandela auf den Punkt zu bringen:
“Frei sein heisst nicht nur, seine Ketten abzuwerfen, sondern ein Leben zu führen, das die Freiheit anderer respektiert und fördert.”

Radikalität und die Frage nach dem Warum

Besonders in den letzten Tagen wurde mir des Öfteren gesagt, daß ich radikal sei. Es stimmt, ich bin bereit Dinge beim Namen zu nennen, die viele meiner Mitmenschen nicht hören können oder wollen, geschweige, sie in der Öffentlichkeit auszusprechen. Radikal, vom lateinischem Wort Radix (Wurzel) stammend, meint, daß man versucht durch Analyse und Denken an die Wurzel von Mißständen zu gelangen. Symptome zu bekämpfen ist, egal um welches System es sich handelt, immer eine Reparatur und eine Verlagerung der Probleme. Lösungen, die tatsächlich zu einer Verbesserung führen können, sind nur möglich, wenn Mensch eben diese Bereitschaft zum radikalen Denken aufbringt und Wahrheiten, vor denen viele die Augen verschliessen, ausspricht.
“Du hältst uns einen Spiegel vor Augen, den wir nicht sehen wollen!” meinte einmal ein Besucher bei einer meiner Ausstellungen zu mir.
Dem kann ich nur entgegnen: Wegschauen und nicht sehen wollen sind schlechte und undemokratische Strategien und all meine Mitmenschen, die in irgendwelchen Machtpositionen mit einem Ja oder Nein, einem Positiv oder Negativ über das Schicksal, die Existenz oder das Leben eines Menschen entscheiden, sind als Menschen voll verantwortlich für ihre Taten. Auch beziehungsweise gerade wegen der Ausreden von Pflicherfüllung und Handeln nach Gesetzen.
An diesem Punkt möchte ich den Titel näher erläutern und den Leserinnen und Lesern meine “Kasperlkopfstrategie” erklären.
Bei der Republik Österreich handelt es sich nach offizieller Lesart um eine Demokratie. Die gelebte Realität zeigt uns aber, daß wir vielerorts auf diktatorische Gebilde in den verschiedensten Dimensionen treffen. In diesen Symbiosen zappelt ein Mensch mit aufgeblasenem Ego an den Strippen irgendeines Wurstels durchs Leben. Durch seine ferngesteuerten Worte und Taten werden Menschen manipuliert, in Angst versetzt und es werden Abhängigkeiten geschaffen.
Wenn ich auf solche Mitmenschen treffe und sie als Kasperlköpfe sehe, kann ich lächeln, friedlich sein und stehe nicht in Gefahr, mich zu einer Handlung oder Worten hinreissen zu lassen, die meinem Weg eines friedlichen Miteinanders entgegenstehen würden.
Ich sehe diese Kasperlköpfe als das, was sie sind. Bedauernswerte Menschen, eingesponnen in einem Kokon aus Lügen, Betrug, Korruption, Intrige und Klassendenken. Bedauernswerte Menschen, sie glauben was Besseres zu sein und leben doch so weit entfernt von den wahren Werten des Lebens.

Bereitschaft zur Veränderung

Es gibt die Theorie, daß es einer traumatischen Erschütterung des Seins bedarf, damit man als Mensch die inneren Gefängnisse erkennen und die Ketten abstreifen kann. Diese Erschütterung des Seins, wenn Mensch plötzlich mit der eigenen Vergänglichkeit, der Kleinheit des eigenen Ichs und der tiefen Traurigkeit des Alleinseins konfrontiert wird, kann den Beginn eines bewußten und sinnerfüllten Lebens bedeuten.
In der kapitalistischen Wertewelt sind Individualität und Selbstausdruck nur in wenigen Bereichen erwünscht. Angepasst, ohne Widerspruch und leistungsorientiert sollen die Menschen funktionieren und sind durch diese Umstände gezwungen, ein fremdbestimmtes und entfremdetes Leben zu führen.
Ich fühle mich als glücklicher Mensch, habe die Kunst als Ausdrucksmittel gefunden. Kann meine Gefühle und Eindrücke mit Farben, mit der Kamera und mit Worten bearbeiten und reflektieren.
Kunst bedeutet für mich den Mut zur Wahrhaftigkeit, die Konsequenz zu sich selbst bis in den letzten Kern der Existenz ehrlich und dadurch im Ausdruck seines Selbst authentisch zu sein.
Im täglichen Leben werden wir mit Versprechungen von verschiedensten Seiten konfrontiert. “Kaufen! Wählen! Konsumieren!” sind Schlagworte der Marktschreier und “es ist ganz sicher alles besser, wenn wir ihren Worten folgen.”
Ich weiß, daß man ein sinnerfülltes, reiches und vielfältiges Leben führt, wenn man sich von Empathie und Liebe leiten lässt.

Mein Mitgefühl ist bei jenen Menschen, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind. Meine Solidarität ist bei jenen Menschen, die mit dem Mut der Verzweifelten durch Protestaktionen ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben einforderten und die letztendlich wieder in ein Land deportiert wurden, in denen sie mit Angst, Schrecken und Terror konfrontiert werden.
Mit einem Zitat aus dem Buch “Absage an die Verzweiflung” von Anäis Nin möchte ich mich von allen Leserinnen und Lesern, die meinen Ausführungen so weit gefolgt sind, verabschieden:
“…So bewies mir das Wagnis, daß es nicht zerstörerisch ist, wenn wir unseren verborgenen und echten Kern anbieten. Wir können nicht zerstört werden!”

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